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Versicherungsschutz beim Hausbau 

Was wirklich sinnvoll ist Text: Rafael Haslauer

Der Hausbau ist, besonders in den vergangenen Monaten, zu einem Abenteuer geworden. Finanzierung und Planung gestalten sich aufgrund der aktuellen Ereignisse schwierig, umso wichtiger ist die finanzielle Absicherung. Doch welche Versicherungen sind sinnvoll und auf welche können Bauherren guten Gewissens verzichten? Die Antwort wird viele überraschen. 

Wer sich vorab im Internet über geeignete Formen der Versicherung informiert, stößt auf viele widersprüchliche Angaben. Oft ist von Rohbauversicherungen, Bauhelferversicherungen, Bauleistungsversicherungen und noch von vielen weiteren Versicherungen die Rede und jede einzelne sei nötig, um jedes theoretische Risiko sofort im Keim zu ersticken. Kein Wunder, dass Bauherren schnell den Überblick verlieren und lieber einmal zu viel versichern als zu wenig. Gerade unsichere Zeiten erfordern besondere Sorgfalt bei der Finanzierung, um unnötige Mehrkosten zu vermeiden. Daniel Schober, KMU-Experte, weiß genau, worauf es bei der Versicherung ankommt und macht Mut – viele Versicherungen seien überflüssig.  

 

Weniger ist auch beim Hausbau manchmal mehr

„Wer heute baut kommt in der Regel mit nur zwei Versicherungen aus. Das ist zum einen die Bauherrenhaftpflichtversicherung und zum anderen die Bauwesenversicherung”, so Schober. Von der von Bauherren oft in Anspruch genommenen Rohbauversicherung rät er ab. “Fast alle Bauherren schließen sie ab, Nutzen hat sie in den meisten Fällen aber keinen, weil sie nur Schäden abdeckt, die bereits in der Bauwesenversicherung inkludiert sind. Das sind Schäden wie Feuer, Blitzschlag oder Sturm.“

 

Bauherrenhaftpflicht

Die Bauherrenhaftpflichtversicherung deckt Schäden ab, die während des Baus eintreten können und für die der Bauherr haftet. Diese Schäden können vielfältiger Natur sein und betreffen besonders Schadenersatz- und Ausgleichsansprüche der Nachbarn. 

„Das bedeutet, dass die Versicherung den Bauherren gegen Schadenersatzansprüche Dritter schützt. Wenn zum Beispiel herabfallende Teile ein parkendes Auto beschädigen oder einen Fußgänger verletzen, wird der Schaden durch die Bauherrenhaftpflichtversicherung gedeckt”, weiß Schober. Weitere mögliche Schadensursachen sind zum Beispiel Sachschäden durch Erschütterungen, Schäden an Nachbarobjekten durch Grundwasserabsenkung oder schwere Personenschäden der Bauarbeiter. 

Demnach ist die Bauherrenhaftpflicht für jeden Bauherren unerlässlich. Er ist auf seiner Baustelle letztverantwortlich und wie hinlänglich bekannt ist, bergen die Baustellen ein großes Gefahrenpotential.

 

Bauwesen

Die Bauwesenversicherung hingegen ist eine kombinierte Sachversicherung gegen unvorhergesehene Bauunfälle an der versicherten Bauleistung und an der zugehörigen Baustelleneinrichtung. Diese kann sowohl vom Bauherren als auch vom Bauunternehmer bei gleichzeitigem Abschluss einer Eigenheimversicherung abgeschlossen werden. Wichtig: „Die Beantragung muss vor Baubeginn erfolgen. Der Leistungszeitraum startet mit Baubeginn und endet mit Fertigstellung und Übernahme des versicherten Objekts – danach beginnt die sogenannte Nachhaftung. Das bedeutet: Es besteht die Möglichkeit, die Versicherung auf maximal 36 Monate zu erweitern. Wenn nach Fertigstellung noch Mängel oder gröbere Schäden auftreten, leistet diese ebenfalls die Bauwesenversicherung und sucht den Regressweg”, erklärt Schober. Schäden, welche die Bauwesenversicherung abdeckt, betreffen unter anderem Hangrutsch von nicht bearbeiteten Hängen, Feuer, Brand, Blitzschlag, Explosion oder außergewöhnliche Witterung wie Sturm, Hagel, Lawinen, Hochwasser. Wie bereits eingangs erwähnt, sind das genau jene Leistungen, die auch die gängige Rohbauversicherung abdeckt. 

 

Wo sich Bauherren informieren können

Da Versicherungsberater naturgemäß Versicherungen verkaufen wollen, ist hier guter Rat teuer. „Am besten informieren sich Bauherren beim Berater ihres Vertrauens. Wenn der Berater nur die Rohbauversicherung und kein Bauwesen beziehungsweise Bauherrenhaftpflichtversicherung anbietet, sollten Bauherren hellhörig werden”, so Schober abschließend.  

INTERVIEW //

 

Daniel Schober,
KMU-Versicherungsexperte 
© Privat
 
Worauf ist bei Versicherungen beim Hausbau besonders zu achten?

Das Wichtigste ist, dass die richtigen Summen verwendet werden. Bei der Bauherrenhaftpflichtversicherung sind die Baukosten relevant. Übersteigen die Baukosten die Summe, die in der Polizze angeführt ist, ist der Versicherer im Schadensfall leistungsfrei.

 
Und wie sieht es bei der Bauwesenversicherung aus?

Die Summen in der Bauwesenversicherung sind meistens zu gering. Hier müssen bei den Erstrisikopositionen mindesten EUR 100.000,– angeführt sein. Die fachliche Qualität des Vertrages hat der jeweilige Makler zu prüfen.

 
Wie häufig wird der Versicherungsschutz tragend?

Ich kann nur so viel sagen, dass die beiden Versicherungen eine der schadensträchtigsten Versicherungen sind. 

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