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Jetzt bauen oder warten – Lohnt sich ein Hausbau 2023

Text: Rafael Haslauer

Künftige Bauherren sind unsicher und fragen sich: Wann ist wegen der teuren Rohstoffe das Bauen sinnvoll? Experten in der Baubranche sind sich einig: Die Zeit ist genau jetzt. Auch wenn sie nicht optimal ist. Aber warum ist das so?

Stahl, Zement oder Holz, die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Lieferengpässe haben die Preise einzelner Baustoffe schlagartig in die Höhe getrieben und die aktuelle Lage in der Ukraine macht die Sache nicht besser. Seit dem Jahr 1949 waren die Preissteigerungen nicht mehr so hoch und auch die Vergleichszahlen aus dem Vorjahr machen deutlich, warum viele ihr Bauvorhaben hinauszögern. 

 

© 123 RF

 

Kostenexplosion auf breiter Ebene

Konstruktionsvollholz, Holzbalken für Möbel, Gartenhäuser und Fachwerkhäuser, legte im Vergleich zum Jahr 2020 um rund 77 Prozent zu. Dämmstoffe stiegen um rund 58 Prozent, Bauholz um rund 57 Prozent und Baustahl um rund 77 Prozent. Generell sind Metalle insgesamt um rund ein Viertel teurer. Kupfer und Kupferlegierungen für den Heizungsbau oder die Elektroinstallation kosten etwa 26,9 Prozent mehr im Vergleich zu 2020, Bitumen für die Abdichtung von Dächern rund 36 Prozent. Zusätzlich kletterten auch die Preise für Bauleistungen in neue Sphären. Zimmerer- und Holzarbeiten sind mit einem Plus von rund 30 Prozent die größten Preistreiber. Diese Zahlen verunsichern, sind aber leicht erklärbar.

 

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Hohe Beschaffungskosten

Die Pandemie hat die Vorzeichen verändert und zunächst für eine sinkende Nachfrage an Baumaterialien gesorgt. Viele Hersteller haben sich dieser gesunkenen Nachfrage angepasst und ihre Produktionskapazitäten heruntergefahren. Nun übersteigt aber die Nachfrage das Angebot deutlich, was Swietelsky-CEO und Vorsitzende der Fachvertreter der Bauindustrie der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Karl Weidlinger, in der Angst der Menschen vor der Geldentwertung begründet sieht. “Viele Konsumenten und Betriebe trauen dem Frieden ums Geld nicht mehr und legen es an. Neben Gold ist das Eigenheim aktuell die wohl beliebteste Form der Geldanlage.“ Aufgrund der unsicheren Situation hat die Industrie ihre Lager nicht schnell genug wieder aufgefüllt oder am Profit durch Rohstoffknappheit Geschmack gefunden, sieht Weidlinger die Lage kritisch. Die Folgen sind globale Lieferengpässe, die wiederum für die hohen Rohstoffpreise verantwortlich sind. Zu spüren bekommen das schließlich die Konsumenten, Experten würden mit einem geplanten Bauprojekt aber trotzdem nicht zu lange warten.

 

„Der Anstieg der Rohstoffpreise sollte kein Grund für den Abbruch eines Bauvorhabens sein. Wer die Finanzierung stemmen kann und sich den Wunsch vom Eigenheim erfüllen will, sollte jetzt bauen.“

Karl Weidlinger, Swietelsky-CEO und Vorsitzende der Fachvertreter der Bauindustrie der Wirtschaftskammer OÖ

 

Rohstoffpreise und die CO2-Bepreisung

„Der Anstieg der Rohstoffpreise sollte kein Grund für den Abbruch eines Bauvorhabens sein. Wer die Finanzierung stemmen kann und sich den Wunsch vom Eigenheim erfüllen will, sollte jetzt bauen“, sagt Weidlinger. Die Gründe dafür klingen plausibel. „Einerseits ist es unwahrscheinlich, dass die Kosten für Baustoffe in absehbarer Zeit wieder substanziell sinken. Andererseits ist jetzt aufgrund der hohen Inflation mit einem signifikanten Anstieg der Löhne ab Mai 2023 zu rechnen. Das wirkt sich automatisch auf einen weiteren Anstieg in der Höhe von rund fünf Prozent aus”, erklärt der Experte. Außerdem darf man die im Oktober in Kraft tretende CO2-Bepreisung nicht außer Acht lassen, denn davon sind selbstverständlich auch die Baustoffe betroffen”, so Weidlinger. 

 

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Keine alternativen Baustoffe

Wer sich nach alternativen Baustoffen umsieht, hat viel zu bedenken. „Da alle Baustoffe, egal ob Kunststoff, Holz oder Beton, an die Rohstoffpreise und an die mittlerweile sehr teuer gewordene Energie gebunden sind, ist das Finden von Alternativen nur begrenzt möglich und mit viel Logistik und Organisation verbunden. Außerdem sollten Bauherren bei angebotenen Ersatzprodukten immer einen unabhängigen Sachverständigen zu Rate ziehen, um spätere Schäden auszuschließen“, rät der Swietelsky-Vorstandsvorsitzende. Trotz aller Probleme bleibt die Nachfrage aber groß.

 

 

Die Alternative: Fertigteilhaus

Bei all den Umbrüchen erfreut sich das Fertigteilhaus seit Pandemiebeginn großer Beliebtheit. Laut dem „Branchenradar Fertigteilhäuser“ stieg die Anzahl der verkauften Häuser 2020 gegenüber dem Jahr davor um drei Prozent auf 4.132 Stück und im Folgejahr noch einmal deutlich um knapp 20 Prozent. Lieferengpässe bei zahlreichen Baustoffen, wie etwa Ziegel oder Dämmstoffen, und die allgemeine Verunsicherung hinsichtlich der Preissteigerungen begünstigten diese Entwicklung. Dadurch würden viele Häuslbauer auf den Kauf eines Fertigteilhauses zum Festpreis ausweichen. „Es sind also durchaus Möglichkeiten trotz suboptimaler Lage zum Hausbau im Jahr 2022 gegeben und die übersteigen die Hoffnung auf baldige Senkung der Kosten bei Weitem”, so Weidlinger abschließend. Ganz aktuell: Trotz voller Auftragsbücher spürt aber auch der Fertigteilhausbau die steigenden Kosten. Der Boom ist daher im Moment nicht mehr im gleichen Ausmaß des Jahres 2020 zu sehen. 

 

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Fazit: Eine Preiserholung ist zwar nicht auszuschließen, die Prognose für 2023 und die folgenden Jahre spricht allerdings eine gegenteilige Sprache. Grund dafür sind vorrangig die weiteren Lieferengpässe und die Knappheit von Materialien. Selbst wenn die Baukosten bald sinken sollten, werden sie nicht auf das Niveau von vor zwei Jahren fallen. Das bedeutet: Wer es sich leisten kann, sollte jetzt bauen.

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